Nachhaltigkeit - das bedeutet es für mich

Nachhaltigkeit – nur so eine kleine Marotte von mir

Nachhaltigkeit – das klingt nicht sexy. Das gebe ich gerne zu. Im Gegenteil: Wenn ich nicht wüsste, wie toll es ist, würde ich auch schon beim Klang dieses Wortes das Interesse verlieren. Ist ja auch ganz schön abstrakt, so ein Wort. Aber Welteinbisschenbessermachenindemmandaraufachtetwasmankauftundwievieldavonunddassdabeinichtsundniemandausgebeutetwird ist halt auch ein echter Zungenbrecher, der einem nicht so leicht über die Lippen gehen will. Worte, wie „bewusster Verzicht“, „Umweltschutz“, „Müllvermeidung“ und „ökologischer Anbau“ tragen ebenfalls nicht zur Sexyness bei.

Ich habe schon oft belustigt (und ein klitzekleines bisschen verstört) beobachtet, dass mein Versuch, nachhaltiger zu leben, von meiner Umwelt eher als eine kleine, liebenswerte Marotte an mir wahrgenommen wird. Als würde es zu mir gehören, wie meine Ekel vor Kaugeräuschen und meine Unfähigkeit, einen anständigen Lidstrich zu ziehen, hätte aber mit ihnen, den Menschen um mich herum, nichts zu tun.

Sie belächeln meine schrullige Nachhaltigkeit liebevoll und greifen dann doch zum Kaffee to Go-Becher mit Pappring UND Plastikdeckel. Manchmal entschuldigen sie sich sogar bei mir, nennen mich „Vorbild“, schauen schwärmerisch, als würden sie das selbst gerne machen – und verbrennen sich beim ersten Schluck aus dem Plastikbecher die Zunge.

Befriedigend und beglückend – wenn das nicht sexy ist!

Das ist sehr süß, zeigt mir aber, dass sie es für mich machen, wenn sie statt des Einwegbechers tatsächlich eine Tasse verwenden, wenn sie zum Bio-Produkt statt zum herkömmlichen Produkt greifen, wenn sie einen Stoffbeutel statt der Plastiktüte verwenden. Weil sie mich gerne haben und mir einen Gefallen tun wollen, nicht weil ich sie inspiriert habe und Nachhaltigkeit plötzlich so sexy klingt. Das ist schade, weil es eigentlich so befriedigend und beglückend ist. Weil es sich so richtig anfühlt.

Also möchte ich hier mal ein bisschen an der Sexyness von Nachhaltigkeit arbeiten – und kurz beschreiben, was ich darunter verstehe. Für mich bedeutet nachhaltiger leben:

  • die Dinge zu pflegen, die ich bereits besitze, damit ich sie möglichst lange verwenden kann und nicht allzu oft Neues kaufen muss
  • bewusst Ballast abzuwerfen und auszusortieren, was ich nicht mehr brauche, was für andere Leute aber noch sehr nützlich sein kann. Kleidung, Schuhe, Bücher, Bettwäsche, Handtücher, Küchenutensilien – in Wahrheit hat man doch viel zu viel davon zu Hause und könnte vieles davon spenden, tauschen, weitergeben. Toll geht das zum Beispiel mithilfe von Marie Kondo und ihrer KonMari-Methode und dieser tollen Liste von Krautreporter, mit der du 66 überflüssige Dinge in deiner Wohnung jetzt sofort loswerden kannst.
  • nicht mehr alles zu kaufen, wonach mir gerade der Sinn steht, sondern genau zu überlegen, ob ich es brauche. Inspirationen dazu gibt es zum Beispiel bei der Bloggerin Anuschka Rees, Autorin des Buches „Das Kleiderschrank-Projekt“. Lest hier mehr über meinen Selbstversuch mit dem „Kleiderschrank-Projekt“.
  • nicht mehr das Billigste von allem zu kaufen, sondern darauf zu achten, dass es möglichst fair und umweltschonend produziert wurde, dass es möglichst wenig fiese Inhaltsstoffe enthält, dass es möglichst kurze Transportwege zu mir zurückgelegt hat und dass es nicht unnötig aufwendig verpackt ist
  • immer wieder Verhaltensweisen zu hinterfragen. Muss ich im Supermarkt einkaufen oder funktioniert vielleicht solidarische Landwirtschaft für mich? Muss ich alles kaufen oder kann ich einiges auch selbst produzieren oder herstellen? Muss man immer Dinge verschenken oder gibt es andere Wege, Menschen glücklich zu machen? Oder auch: Wie kann ich einfach mal nett zu anderen Menschen sein?
  • immer wieder nach Alternativen zu suchen: Brauche ich Tampons oder tut es auch eine Menstruationstasse? Gibt es wiederverwendbare Abschmink-Pads? Kann Unterwäsche vegan und fair produziert sein? Gibt es beim Online-Shopping Alternativen zu Zalando, About You und Asos? (Ja, gibt es!) und kann eine Suchmaschine nicht nur Ergebnisse ausspuken, sondern auch Bäume pflanzen? (Ja, kann sie!) Von Stoffbeuteln, Tupperdosen und Co. ganz zu schweigen.

Natürlich stehe ich noch am Anfang dieses Weges, aber zum Glück komme ich durch meinen Job und durch viele interessante Menschen in einem Umfeld immer wieder auf neue Ideen und erfahre von neuen, spannenden Projekten. Und die möchte ich hier ab sofort mit euch teilen.

Und jetzt seid ihr dran: Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?

 

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4 thoughts on “Nachhaltigkeit – nur so eine kleine Marotte von mir

  1. Sehr schöner Artikel, ich fühle mich oft genauso wie du. Mein Umfeld sieht die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit auch noch nicht und nennt mich „liebevoll“ einen Ökofreak. Natürlich ist das Arbeit und man muss sich in vielen Alltagssituationen umstellen, aber es lohnt sich so sehr. Seit dem ich mehr auf meinen Konsum und meinen besitz acht geben, habe ich auch viel mehr Freizeit, mein zu Hause ist ordentlicher und ich habe viel mehr Freude beim benutzen, von ganz alltäglichen Dingen UND ganz wichtig: in meinem Kleiderschrank ist endlich sowas wie mein persönlicher Stil zu finden 🙂 Danke für die Anregungen von Krautreporter und KonMarie!
    Liebe Grüße, Susi

  2. Moin Ulrike,
    vielen Dank, dass du deine Ideen und Erfahrungen teilst! Sich mit anderen Menschen zu vernetzen, die die „Welteinbisschenbessermachenindemmandaraufachtetwasmankauftundwievieldavonunddassdabeinichtsundniemandausgebeutetwird“, ist sicher sehr sexy! 🙂
    Herzlichen Gruß
    Heike

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