Das Kleiderschrank-Projekt ODER Schluss mit „Ich habe nichts zum Anziehen“

Gestern Abend habe ich etwas sehr Untypisches getan. Etwas, von dem die meisten Leute, die mich kennen, wissen, dass es definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Ich habe mich stundenlang SEHR ausdauernd durch Pinterest gescrollt und Mode-Inspirationen gesucht. Warum? Weil ich mir „Das Kleiderschrank-Projekt“ von Anuschka Rees gekauft habe, ein Buch, das verspricht, mir dabei zu helfen, systematisch meinen eigenen Stil – und damit zu einem bewussten Modekonsum – zu finden.

Hilfe, ich habe nichts zum Anziehen!

Ich gebe zu, dass Mode nicht unbedingt zu meinen Lieblingsthemen gehört und ich nicht so viel Zeit und Gedanken in meine Kleidung investiere, wie ich vielleicht sollte. Doch man kann nicht versuchen, nachhaltiger zu leben, ohne auch darüber nachzudenken, was man trägt, wo man es kauft und was einem dabei wichtig ist. Bewusster Modekonsum – das sprach mich an: Weniger kaufen, aber dafür das Richtige. Perfekt!

Denn gerade in dieser Übergangsphase, jetzt im Herbst, habe ich ein großes Problem: Ich habe nichts zum Anziehen. Versteht mich nicht falsch: In meinem Kleiderschrank sind viele Dinge. Aber nicht die Richtigen. Ich fühle mich oft unwohl, die Kleidung passt nicht zu mir, es gibt keinen erkennbaren Stil. Was also tun? Mal wieder ziellos durch die Gegend laufen und zusammenhangslos Klamotten kaufen, die vielleicht (eher aber nicht) zu mir passen und mich durch diesen Herbst und Winter bringen?

Ich weiß einfach nicht, was mir steht – und was ich mag

Das war mein erster Gedanke. Ich stöberte also durch den Avocadostore, weil ich hier wenigstens weiß, dass die Kleidung fair und ökologisch produziert ist. Dass man dafür etwas mehr zahlt, ist für mich vollkommen verständlich. Doch leider entpuppte sich das, was ich da mühevoll zusammengetragen und bestellt habe, einmal mehr als chaotischer Haufen von Dingen, die mir nicht besonders gut stehen, zum Teil leider gar nicht sitzen und zusammen auch keine klare Linie ergeben. Kurz: Fast alles ging zurück.

Frustriert in meinen Kleiderschrank starrend erinnerte ich mich dann an etwas, das ich in der letzten Ausgabe der „Flow“ (große Leseempfehlung an der Stelle!) gelesen habe. Dort wurde die Bloggerin Anuschka Rees im Kurzinterview gefragt, woran es liege, dass wir alle einen vollen Kleiderschrank, aber trotzdem nichts zum Anziehen hätten. Sie antwortete:

Es kommt nicht darauf an, wie viele Teile man hat, sondern welche. Viele wissen gar nicht, was ihrem Stil entspricht. Wenn man ein Gespür dafür entwickelt, braucht man nicht viel und findet trotzdem immer was zum Anziehen.

Das traf für mich den Nagel auf den Kopf. Genau das ist mein Problem! Ich weiß nicht, was ich brauche, was mir steht und was ich mag.

Ab jetzt kommen nur noch Lieblingsteile in den Schrank!

Zum Glück hat Anuschka Rees eine Lösung dafür. Sie heißt „Das Kleiderschrank-Projekt“, ist im DUMONT-Verlag (für 28 Euro) erschienen und gut 270 Seiten dick. Eine Patentlösung ist es aber leider nicht. Und das heißt: Ich muss nun wirklich Zeit, Gedanken und Kreativität investieren, um mit den Übungen im Buch meinen eigenen Stil zu finden.

Gar nicht so einfach, wenn man noch ganz am Anfang steht. Doch ich merke schon jetzt, dass es sich lohnen wird. Denn es ist wie mit allen Dingen, die wir in unserem Leben haben: Wir sollten nur behalten, was wirklich zu uns passt und uns glücklich macht. Alles andere ist unnötiger Ballast und Geld- und Ressourcen-Verschwendung.

Im „Kleiderschrank-Projekt“ von Anuschka Rees bedeutet das:

  • Nur Lieblingsteile, die meinem eigenen, individuellen Stil entsprechen und nicht von Mode-Trends abhängig sind, haben Platz in meinem Kleiderschrank.
  • Ich entscheide mich für Kleidung von hoher Qualität, die ich liebe und die es wert ist, dass ich sie pflege und die so länger als einen Sommer hält (und damit nachhaltiger ist).
  • Ich kaufe weniger, aber dafür das Richtige. So spare ich Geld bei Impulskäufen und kann es stattdessen in die Qualität der Kleidung stecken, die mir wirklich steht und die ich wirklich mag.

Minimalismus im Kleiderschrank für ein stressfreieres Leben

Alles, was nicht mehr passt, ausgebeult ist, kratzt oder „gerade noch gut genug“ ist, kommt nicht mehr in meinen Kleiderschrank! Für Anuschka Rees ist das ihre Form von Minimalismus:

Alles, was nicht glücklich oder Ihr Leben reicher macht, muss weg, damit Platz für die Dinge geschaffen wird, die Sie wirklich erfüllen. [Doch] letztlich geht es ja nicht darum, zum Minimalisten zu werden, sondern ein glücklicheres, stressfreieres Leben zu führen. Minimalismus ist ganz einfach eine Technik, mit der Sie Ihr tägliches Leben bewusster gestalten können, wie zum Beispiel auch Yoga, gesunde Ernährung, Meditation oder was immer Sie tun, um bei Kräften zu bleiben.

Die ersten Übungen laufen recht gut an. Als erstes soll ich zwei Wochen lang jeden Tag mein Outfit fotografieren, um zu erkennen, wo meine Baustellen sind, was mir steht und was nicht, und an welchen Dingen ich gerne arbeiten möchte. Parallel dazu sammle ich bereits Inspirationen. Das tue ich auf Pinterest, weil ich es wunderbar einfach finde und es ganz bequem (wie gestern Abend) aus meinem Lesesessel heraus tun kann. Nun geht es ans Aussortieren und daran, Muster zu erkennen, um Schritt für Schritt die Eigenschaften meines persönlichen, individuellen Stils heraus zu arbeiten. Man darf gespannt sein…

Es ist also noch ein etwas längerer Weg, den ich vor mir habe, aber ich werde versuchen, dran zu bleiben und hier davon zu berichten.

Habt ihr euren persönlichen Stil schon gefunden?

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11 thoughts on “Das Kleiderschrank-Projekt ODER Schluss mit „Ich habe nichts zum Anziehen“

  1. Hallo! Das liest sich sehr interessant. Ich hoffe, Du kommst damit weiter! Ich habe meinen Stil schon gefunden, oder anders gesagt, mein Stil hat mich gefunden. 🙂 Ich wünsche Dir viel Erfolg. Vielleicht hast Du ja Lust noch etwas mehr über das Buch und die Tipps darin zu schreiben. Klingt nämlich sehr interessant. Liebe Grüße!

  2. Ich kenne das Gefühl nichts zum Anziehen zu haben nur zu gut. Bei mir ist das Problem, dass meine Kleidung oft nicht richtig passt. Ich bin 1,80m groß und weiß eigentlich, dass es schwierig ist in herkömmlichen Läden einzukaufen (weil meistens zu kurz oder nicht tailliert wie es soll etc.). Trotzdem kaufe ich dann doch öfter einfach Größe 38 und nehme in Kauf, dass es nicht richtig sitzt. Auch, will ich eigentlich auf nachhaltige Klamotten achten. Aber da macht mir wieder meine Bequemlichkeit einen Strich durch die Rechnung. Hach… echt nicht so einfach. 🙂 Viel Erfolg dir bei deinem Projekt!

      1. Danke für deine Antwort! Ich habe davon gehört, aber noch nie dort bestellt. Bisher habe ich nur Erfahrungen mit Armed Angels gemacht. Die haben auch lange Größen. 🙂 Mal sehen, wie es beim Avocadostore aussieht. Vielen Dank für den Tipp! Wo kaufst du ein? Oder versuchst du erstmal zu reduzieren? Liebe Grüße!

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