Das Kleiderschrank-Projekt III: Gut Ding will Weile haben

Ich gebe es ehrlich zu: Ich bin kein besonders geduldiger Mensch. Tatsächlich habe ich Dinge immer SCHNELL und SOFORT getan, wenn ich sie tun wollte. Ich wusste, ich hätte für das Bild eine Skizze anfertigen sollen, bevor ich mit Acryl auf Leinwand gemalt habe. Hab ich aber nicht gemacht. Vor jeder Strickanleitung steht, man soll eine Maschenprobe machen. Habe ich aber auch noch nie gemacht. Meine besten Klausuren in der Schule waren die, die lange vor der Zeit fertig waren, während alle anderen noch fleißig geschrieben haben. Vielleicht hätte ich mir vorher ausführlicher Gedanken oder Notizen machen sollen. Hab ich aber nicht gemacht.

Einmal etwas richtig machen

Und so wäre auch das Kleiderschrank-Projekt eigentlich dazu verdammt gewesen, dass ich die ersten vier Kapitel des Buches lese, mich dann in die Recherche auf Pinterest stürze und mich am nächsten Tag mit zahl- und planlosen Einkaufstüten pleite und erschöpft auf dem Wohnzimmerboden wiederfinde. Doch während meine Strategie bei Klausuren immer aufgegangen ist, wäre das bei meinem Kleiderschrank-Projekt absolut zum Scheitern verurteilt gewesen. Denn anders als mit Worten kann ich mit Klamotten leider nicht besonders gut umgehen. Und hier wollte ich wirklich einmal etwas richtig von Grund auf richtig machen!

Deshalb habe ich mich gezügelt und bin bis Seite 170 gekommen, bevor ich shoppen gegangen bin. Nämlich erst dann, als Anuschka Rees mir offiziell die Erlaubnis dazu erteilte. Ich habe mich sogar an ihren 4-Punkte-Plan gehalten und alles beherzigt, was sie unter „Die drei häufigsten Fehler und wie Sie sie vermeiden“ aufgelistet hat. Ich habe deshalb NICHT zugunsten des Preises auf Qualität verzichtet. Im Gegenteil, ich habe wenige Teile gekauft, dafür mehr Geld ausgegeben als gedacht, und mich in jedes einzelne Stück verliebt. Ich habe NICHT meine ganze Garderobe auf einmal gekauft, sondern mit drei Blusen, zwei Cardigans und einem riesigen Kuschelschal begonnen. Und: Ich habe KEINE komplett neue Garderobe gekauft, kurz bevor eine große Veränderung ansteht. Letzteres vor allem, weil keine große Veränderung ansteht. Aber auf die Punkte 1 und 2 bin ich sehr stolz.

Viscose und ich – eine Liebesgeschichte

Es hat ewig gedauert, bis ich mich für die Teile entschieden hatte, aber jedes einzelne davon ist von ganzem Herzen ein JA!!! Meine neue Liebe: Viscose! Die fühlte sich so unfassbar gut und angenehm kühl auf der Haut an, dass ich ihr nicht widerstehen konnte. Mit ziemlich schlechtem Gewissen („Das ist doch bestimmt eine fiese Kunstfaser!“) recherchierte ich – und stellte fest, dass Viscose – ganz im Gegenteil – sogar ein sehr umweltfreundlicher Stoff ist! Er wird aus Zellstoff auf Basis von Buchen-, Fichten-, Pinien- oder Bambusholz hergestellt und damit aus nachwachsenden Rohstoffen. Er ist biologisch abbaubar und verbraucht in der Herstellung deutlich weniger Energie und Wasser als Baumwolle. Ist es da ein Wunder, dass ich mich sofort verliebt habe?

Und so kam es, dass ich nun doch noch auf Aspekte der Nachhaltigkeit Rücksicht nehmen konnte und nun langlebige, hochwertige Teile im Kleiderschrank habe, an denen ich lange Freude haben werde. 

Und was habe ich mit den aussortierten Teilen gemacht?

Kleidertausch und Kleiderspende ❤

Aussortiert habe ich natürlich auch ordentlich. Die meisten Teile davon (viele fast ungetragen, einiges an Business-Kleidung, aber auch viele Freizeit-Klamotten) gehen am 11.11. zum „Stoffwechsel“, einem Kleidertausch, den eine liebe Freundin von mir zusammen mit Hanseatic Help in Hamburg organisiert.

Die Idee: Jeder bringt mit, was er bzw. sie nicht mehr tragen möchte, und alle können schauen, ob sie dort ein neues Lieblingsteil entdecken, das sie mit nach Hause nehmen wollen. Alles, was keine neue Heimat findet, geht direkt an die Kleiderkammer von Hanseatic Help. Ich habe dort selbst schon zwei mal mitgeholfen und finde, die Leute machen einen großartigen Job – und das auch noch ehrenamtlich. Wenn ihr die Arbeit von Hanseatic Help unterstützen wollt, könnt ihr das hier tun: Für Hanseatic Help spenden.

Upcycling mit sozialer Verantwortung ❤

Ein paar Teile habe ich selbst geflickt und ein wenig umgeändert, sodass ich sie wieder tragen kann, und ein Kleid habe ich zum Schneider gebracht, wo es jetzt geändert wird. Aber das ist noch nicht alles: Eine Jeans mit Loch im Schritt, die wirklich nicht zu reparieren ist, geht an die wundervollen Leute von Bridge & Tunnel in Hamburg. Gesellschaftlich benachteiligte Menschen, unter anderem mit Fluchtgeschichte, nähen dort aus „post-consumer waste (Alttextilien und Altkleidern) sowie pre-consumer waste (Materialüberschüsse, die bei der Produktion anfallen)“ tolle Taschen, Accessoires, Teppiche und Kleidung.

Und wenn man möchte, kann man alle Teile aus seinen eigenen alten Lieblingsjeans anfertigen lassen. So entstehen echte Unikate, die man garantiert lange lieben wird! Darauf freue ich mich jetzt schon sehr. Ausgesucht habe ich mir übrigens die Festival-Bag MUKTA.

Habt ihr noch mehr tolle Ideen, was man mit aussortierten Kleidungsstücken machen kann?

 

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