CO2-Fußabdruck verbessern: 6 Schritte, um endlich loszulegen

Der aktuelle Sommer hat es uns deutlich vor Augen geführt: Der Klimawandel ist in vollem Gange und es ist allerhöchste Zeit, selbst etwas zu tun und aktiv zu werden. Bio-Lebensmittel kaufen und Stoffbeutel zum Einkaufen zu verwenden alleine reicht nicht.

Darüber habe ich in den letzten Wochen viel nachgedacht und bin zu der gleichen Erkenntnis gekommen wie DariaDaria in ihrem wundervollen und zugleich beängstigenden Blog-Eintrag „Du stehst näher am Abgrund als du denkst“:

[…] Zum Anderen sind wir zu bequem. Zu bequem, aktiver zu werden, zu bequem, über das unbequeme Thema zu sprechen, zu bequem, diesen oder andere lange Texte über Klimawandel bis zum Ende zu lesen, zu bequem die bequeme Komfortzone zu verlassen. Wir, die Menschen, die in keinem Slum leben, die auf keinem Baumwollfeld stehen, wir, die Menschen die in Europa leben. Wir, die Menschen der EU, die das höchste bzw. zweithöchste Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt weltweit verzeichnen. Selbst als Student in Wien, mit einem minimalen Einkommen, ist dein Hebel wirtschaftlich gesehen um ein Vielfaches höher als der eines Bewohners Indiens. Und trotzdem fliegen wir Kurzstrecken, kaufen toxische Kleidung, essen Fleisch. Immer argumentierend, dass die bessere Entscheidung zu teuer wäre, obwohl wir es uns, mit ein bisschen Mühe, leisten könnten, mehr Zug zu fahren, weniger und dafür ökologische Produkte zu kaufen und kein Fleisch zu essen. Es sind scheinheilige Argumente, die wir jeden Tag von uns geben wie tibetanische Gebetsmühlen. Außer Acht lassend, dass es vor allem dann richtig teuer wird, wenn der Abgrund noch näher kommt.

Es ist höchste Zeit, etwas zu tun!

Laut CO2-Rechner vom Umwelt-Bundesamt liegt mein persönlicher CO2-Verbrauch vor Beginn der Umstellung bei 9,05 Tonnen, wobei in der Berechnung viele Schätzungen enthalten sind. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 11,63 Tonnen. Zeit, die CO2-Emission zu reduzieren, denn um den Treibhaus-Effekt nicht zu verstärken und das Klima zu schützen, darf, laut Utopia, jeder Mensch jährlich nicht mehr als 2 Tonnen CO2 produzieren. Das heißt: Jeder Deutsche produziert 6 x mehr CO2 als er eigentlich dürfte!
Und wie viel produzierst du? Rechne es aus und lass dir dein persönliches CO2-Szenario zur Optimierung erstellen.

Ich habe nun also für mich eine persönliche To-Do-Liste erstellt, die ich zum Teil bereits angegangen bin und zum größeren Teil in den nächsten Wochen noch angehen möchte. Wirklich nachhaltig und vollumfänglich den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, wird eine Herausforderung, zumal wir gerade unser erstes Kind erwarten und das Leben mit Baby wohl ein bisschen chaotischer und weniger planbar wird. Aber gerade deshalb möchte ich vorher so viel wie möglich erledigen.

Greenpeace Deutschland zeigt übrigens in einer tollen Grafik, wie sich unser heutiger Fußabdruck im Einzelnen verändern müsste.

CO2-Fußabdruck reduzieren – meine To-Do-Liste

So sieht meine persönliche To-Do-Liste aus – vielleicht ist da das eine oder andere dabei, das du auch direkt auf deine Liste setzen möchtest. Sie basiert auf einer ausführlichen Internet-Recherche und enthält deshalb der Vollständigkeit und Übersicht halber auch Punkte, die ich bereits umsetze.

1. Weniger Fleisch essen

Dieser Punkt stellt für mich zum Beispiel kaum eine Herausforderung da. Ich esse verhältnismäßig selten Fleisch und kaufe sonst Bio-Fleisch aus nachhaltiger Landwirtschaft. Den Verbrauch noch weiter einzudämmen, ist für mich kein Problem. Da fehlt mir nichts. Allein dadurch, dass man weniger Fleisch- und Milchprodukte konsumiert, kann man im Jahr bis zu 400 Kilogramm CO2 einsparen. Ein Kilo Rindfleisch hat, laut Naturschutzbund (NABU), mit 13,3 Kilogramm Kohlendioxid nämlich eine besonders schlechte CO2-Bilanz.

2. Weniger fliegen und stattdessen Bahn fahren

Hier spielt mir meine Flugangst wunderbar in die Karten: Wann immer es möglich ist, vermeide ich das Fliegen. In unseren Sommerurlaub in Italien sind wir in diesem Jahr mit dem Zug gefahren, anstatt zu fliegen. Das hat mich glücklich gemacht und zugleich unsere CO2-Bilanz verbessert. Meine Baustelle sehe ich jetzt darin, die überzeugten Vielflieger in meinem Umfeld zu bekehren und zum Umsteigen auf die Bahn zu bewegen… Also zieht euch warm an! 😉

3. Weniger Auto fahren

Im Alltag nutze ich unser Auto wenig, innerhalb von Hamburg eigentlich fast gar nicht. Ich habe ein Jahres-Abo vom HVV und wenn ich längere Strecken alleine fahre, nehme ich in der Regel die Bahn, BahnCard 25 und Sparpreisen sei Dank. Ich vermute jedoch, dass sich das mit Kind ein wenig ändern wird. Immerhin ist unser Auto ein Hybrid. Aber das entbindet nicht davon, vor jeder Fahrt zu überlegen, ob sie wirklich notwendig ist.

4. Umstellung auf Öko-Strom

Hier kann man tatsächlich mit ganz wenig Aufwand richtig viel bewegen, wie Jenny Blekker von der BUNDjugend National Geographic erklärt hat:

Ein Drei- bis Vier-Personen-Haushalt, der zu einem unabhängigen Ökostromanbieter wechselt, kann bis zu 1,9 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Wow! Das ist auf jeden Fall eine Hausnummer! Ich habe deshalb recherchiert und dabei festgestellt: Öko-Strom ist nicht gleich Öko-Strom. Utopia erklärt ganz toll den Unterschied zwischen echten Öko-Strom-Anbietern und Mogelpackungen.

Über die Beteiligung an Hunderten von regionalen Energieversorgern und durch die Gründung von scheinbar „grünen“ Tochterunternehmen verstecken sich hinter grün gewaschenen Tarifen die alten Atomkonzerne.

Der Ökostrom dieser Anbieter wurde zwar ebenfalls regenerativ gewonnen – doch wer einen solchen Tarif wählt, zahlt sein Geld an Unternehmen, die nach wie vor an Atomenergie- und Kohlekraftwerken investieren und für diese oft auch noch aktiv politischen Lobbyismus betreiben.

Utopia empfiehlt deshalb die Anbieter EWS Schönau, Greenpeace Energy, Lichtblick, Naturstrom und Die Bürgerwerke sowie Polarstern, Mann Naturenergie, Grünstromwerk und Entega. Auf dieser Basis kann man dann den Ökostrom-Vergleich von Check24.de verwenden, um einen geeigneten Anbieter zu finden. Meine Wahl fiel nun schließlich auf SimplyGreen von Entega.

Update: Inzwischen habe ich auf Ökostrom umgestellt. Hier habe ich meine Erkenntnisse zum Thema zu Ökostrom wechseln zusammengetragen.

5. Im Haushalt Energie sparen

  • Beim neuen Kühlschrank (den wir ohnehin brauchen) auf Energieeffizienzklasse A+++, eine geeignete Größe für unseren Haushalt, ein Warnsignal bei Temperaturerhöhung (z.B. durch eine geöffnete Tür) und einen Inverter-Kompressor achten. Ich habe schon ein tolles Gerät gefunden.
  • Alle verbliebenen Glühbirnen in unserem Haushalt durch LED und Energiesparlampen ersetzen.
  • Elektrogeräte mit einem Kippschalter komplett ausschalten, wenn sie nicht genutzt werden.
  • Die Spülmaschine verwenden, anstatt Geschirr von Hand abzuwaschen.
  • Beim Wäsche waschen auf möglichst niedrige Temperaturen achten, die Maschine immer komplett befüllen und den Wäschetrockner meiden. Vor allem Letzteres ist kein Problem für mich, da ich Wäsche sowieso am liebsten an der Luft im Wäscheraum trocknen lasse.
  • Wann immer möglich Toaster oder Wasserkocher statt des Herdes verwenden.

6. Aktiv Umweltschutz betreiben

  • Regionale und saisonale BIO-Produkte kaufen, lange Transportwege und Verpackungen vermeiden. So kann man pro Person bis zu 700 Kilogramm CO2 sparen. Hier kommt mir meine Elternzeit sehr gelegen. Ich habe für jeden Wochentag einen Wochenmarkt ausfindig gemacht. Außerdem möchte ich zeitnah einen vegetarischen Ernteanteil einer nahegelegenen Solidarischen Landwirtschaft testen.
  • Einkäufe und Mahlzeiten besser planen und nur das kaufen, was ich wirklich benötige, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Am besten frisch einkaufen, was ich für den jeweiligen Tag brauche.
  • Plastikbeutel und Plastikverpackungen vermeiden. Stoffbeutel habe ich schon seit Jahren immer zur Hand. Die Menge an Plastikmüll wird sich reduzieren, sobald ich weniger im Supermarkt und dafür mehr auf dem Wochenmarkt einkaufen gehe.
  • Sämtliche Papier-Kataloge und -Werbemittel abbestellen, die per Post kommen und stattdessen auf E-Mail-Newsletter umsteigen. Auch Rechnungen und Abrechnungen kann man sich digital zuschicken lassen. Das habe ich heute gemacht: Alle Versandhäuser und Verlage angeschrieben und die Abos abbestellt.
  • Umwelt- und klimafreundliche Kleidung, am besten aus Deutschland, kaufen. Das wird – gerade mit Baby – nicht einfach. Aber der Anfang ist mit einer tollen Wolle/Seide-Erstausstattung gemacht von rundum Schwangerschaft gemacht. Vieles kann man übrigens nachhaltig bei räubersachen.de leihen. Das werden wir testen.
  • Nachhaltige Suchmaschine nutzen: Statt Google verwende ich privat Ecosia. Warum? Das kannst du hier nachlesen.
  • Minimalismus leben: Nur das kaufen, was man wirklich braucht, Kaufentscheidungen gut durchdenken, auf Qualität setzen, weniger Konsum- und Wegwerfprodukte kaufen, mehr selber machen. Auf Sharing und Leihen setzen, wo möglich.
  • Sonstiges: Alles, was ich eben ohnehin schon mache, fortsetzen: Keine To-Go-Becher, möglichst wenig Chemikalien im Haushalt und Mikroplastik in Kosmetik etc.

Ich lege auf jeden Fall direkt mit meiner Liste los und berichte hier darüber. Wie ist es mit euch? Was macht ihr schon? Was habt ihr euch vorgenommen? Wie sind eure Erfahrungen?

3 Kommentare zu „CO2-Fußabdruck verbessern: 6 Schritte, um endlich loszulegen

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  1. „Spülmaschine ist effizienter als mit der Hand abwaschen“ ist ein Mythos. Im Versuch haben die Personen das Geschirr zum Teil unter fließendem Wasser abgewaschen(!). Und die Energie zur Herstellung der Spülmaschine wurde überhaupt nicht eingerechnet. Ich habe mich kürzlich gegen den Kauf einer solchen entschieden. Wer eine besitzt, kann sie einfach effizient nutzen. Hier findet man dazu Tipps: https://www.greenpeace-magazin.de/abwaschen-hand-oder-geschirrsp%C3%BCler

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